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Veröffentlicht am AktivitätenWissenswertesAnhalt-BitterfeldBurgenlandkreis

Was aus einer Fläche wird, entscheidet der Boden mit

Was auf einer Wildblumenfläche wächst, entscheidet nicht allein das Saatgut. Der Boden gibt vor, welche Pflanzen sich entwickeln können – und warum eine Fläche manchmal ganz anders aussieht als erwartet.

Nahezu vegetationslose Fläche in einem Chemiepark
S. Dullau

Wer eine Wildblumenwiese anlegt, denkt oft zuerst ans Saatgut. Welche Arten sollen blühen, wie bunt darf es sein? Das ist verständlich, aber es greift zu kurz. Das Saatgut bestimmt, was gesät wird. Was tatsächlich wächst, entscheidet der Boden in hohem Maß mit.

Warum sich Flächen unterschiedlich entwickeln

Fotos von blühenden Wildblumenwiesen machen Lust auf mehr. Hochwüchsige Pflanzen, Farbe von Mai bis Oktober, Bienen und Schmetterlinge im Dauereinsatz. Solche Bilder stammen oft von Flächen mit bindigen, nährstoffreichen Böden. Und das ist ein wichtiger Punkt. Auf einem sandigen, extrem nährstoffarmen Boden entsteht dieses Bild nicht. Die Ursache liegt im Standort, nicht im Saatgut und auch nicht in der Pflege.

Drei Standorttypen, drei verschiedene Ergebnisse

Es hilft, grob zwischen drei Situationen zu unterscheiden.
Auf nährstoffreichen, bindigen Böden, also Böden, die Wasser halten und genug Mineralstoffe liefern, entwickeln sich hochwüchsige, artenreiche Blühwiesen und -flächen . Das ist der Standorttyp, der auch hinter den meisten Fotos steckt.

Sandige, mäßig nährstoffarme Standorte, wie sie etwa an Badeseen, ehemaligen Tagebauflächen oder manchen Straßenrändern vorkommen, bringen ebenfalls blütenreiche Vegetation hervor, allerdings deutlich niedrigwüchsiger und weniger üppig. Ökologisch sind solche Flächen trotzdem ausgesprochen wertvoll.

Dann gibt es extrem nährstoffarme und trockene Sandböden. Sand speichert kaum Wasser, gibt kaum Nährstoffe ab und ist häufig sauer. Was dort wächst, wirkt auf den ersten Blick unscheinbar: lückige Vegetation, offene Bodenstellen, niedrigwüchsige Arten. Der Fachbegriff dafür lautet Sandmagerrasen (Bild).

Sandmagerrasen: selten und ökologisch bedeutsam

Sandmagerrasen gehören zu den artenreichsten und zugleich am stärksten bedrohten Lebensräumen Mitteleuropas. Was sie auszeichnet, sind die Lücken. Offene Rohbodenstellen bzw. lockere Sandböden sind für viele Insekten unverzichtbar. Beispielweise sind ¾ der Wildbienenarten (300-400 Arten) sogenannte „Erdnister“ und auf solche Strukturen angewiesen. Dicht begrünte Flächen bieten ihnen das nicht. Auf diesen Standorten sind auch Ameisenlöwen (die Larven der Ameisenjungfern), Sandlaufkäfer oder Heuschrecken wie die Ödlandschrecken zu Hause und viele andere mehr.

Wer genau schaut, findet auf Sandmagerrasen durchaus auch Blüten: Sand-Strohblume, Berg-Jasione, Grasnelke, Natternkopf, Wegwarte, Kleines Habichtskraut, Flockenblumen, verschiedene Königskerzen. Dazu Gräser wie Silbergras und mehrere Schwingelarten. Das Bild ist ruhiger als auf einer Blühwiese, die Artenvielfalt aber durchaus beachtlich.

Was zu tun ist, und was man besser lässt

Sandmagerrasen brauchen keine aufwendige Neuanlage. Oft reicht es, standorttypische Arten nachzusäen und das Pflegemanagement anzupassen. Bodenvorbereitung oder eine Nährstoffanreicherung wären kontraproduktiv, weil konkurrenzstarke Arten dann die typischen Magerrasenarten verdrängen, die gerade wegen der Kargheit dort heimisch sind.

Der entscheidende Zusammenhang

Was aus einer Fläche werden kann, steht zurecht nicht auf unseren Saatguttüten. Saatgut und Pflege spielen eine wichtige Rolle, aber die Standortbedingungen setzen den Rahmen für das Ergebnis. Das zu verstehen, ist wichtig, um sich realistische Erwartungen zu setzen und den ökologischen Wert auch dort zu erkennen, wo keine bunte üppige Wiese blüht.