Wer sich für regionale Saatgutmischungen entscheidet, meint es ernst: mit mehr Artenvielfalt auf der Wiese, mehr Raum für Insekten und einem langfristigen Blüh- und Summeffekt vor der Tür und in der Stadt. Mit den folgenden Tipps und Hinweisen leiten wir Sie sicher von Blüte zu Blüte – für eine langlebige Blühwiese.
Welche Flächen sind geeignet?
Bei der Auswahl von Flächen zur Anlage naturnaher Blühflächen gibt es mehrere entscheidende Faktoren zu berücksichtigen. Zunächst ist die Funktion und Nutzungsintensität der Fläche von Bedeutung. Geeignet sind vor allem Flächen mit geringer oder mäßiger Nutzung: Verkehrsinseln, Randbereiche in Parkanlagen, Innenhöfe, Vorgärten, Friedhöfe, Straßenbegleitgrün, Außenanlagen von Firmen und Verwaltungen und gezielt in vorhandene Beete.
Weniger geeignet sind hingegen stark frequentierte Flächen wie Liege- und Spielwiesen oder Grillplätze, wobei auch hier Randbereiche Potenzial für naturnahe Gestaltungen bieten könnten.
Besonders vorteilhaft sind Grünflächen, die in der Nähe von Fußwegen, Parkanlagen oder Bildungseinrichtungen liegen. Diese Standorte bieten nicht nur ökologische Vorteile, sondern dienen auch der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit, indem sie das Bewusstsein für den Naturschutz und die Bedeutung der Artenvielfalt erhöhen. Gleichzeitig sollten die Flächen an andere Grünflächen angrenzen, um Wanderkorridore für Flora und Fauna zu schaffen.
Die Größe der Fläche hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Artenvielfalt. Grundsätzlich gilt: Je größer die Fläche, desto höher die mögliche Artenzahl. Große Flächen sind außerdem weniger anfällig für negative Randeinflüsse. Doch auch kleinere Flächen können wertvoll sein, wenn sie strategisch im Verbund mit anderen Grünflächen angelegt sind. Für lineare Elemente wie Straßenbegleitgrün sollte eine Mindestbreite von 3 Metern eingehalten werden.
Zuletzt sind die Standorteigenschaften selbst entscheidend. Optimal geeignet sind magere, nährstoffarme Standorte, die sonnig und trocken oder feucht bis wechselfeucht sind. Standorte mit hoher Nährstoffversorgung fördern dagegen schnellwachsende Arten wie Gräser, die die blütenreiche Vielfalt reduzieren. Vorsicht ist auch bei Flächen mit invasiven Neophyten oder sehr dominanten Arten geboten, da diese konkurrenzschwache Arten verdrängen können. Auf solchen problematischen Standorten sollten gezielt Maßnahmen ergriffen werden, um eine nachhaltige naturnahe Blühfläche zu ermöglichen.
Zeitpunkt: das richtige Timing ist entscheidend!
In Regionen mit ausgeprägter Frühjahrs- und Sommertrockenheit ist eine Herbsteinsaat im späten August bis Mitte September empfehlenswert.
Alternativ kann auch eine Frühjahrsansaat zwischen März bis Mitte April erfolgen. Dafür ist es vorteilhaft die Ansaat mit einem Schnellbegrüner zu unterstützen. Mehr Informationen finden zu unter Was braucht man noch? – Füllstoff, Schnellbegrüner und Pflege.
Bodenvorbereitung: Auf die richtige Vorbereitung kommt es an!
Eine gründliche Bodenvorbereitung schafft die idealen Bedingungen für die Keimung, das Wachstum der Wildpflanzen und ist die Voraussetzung für die erfolgreiche Anlage von naturnahen Blühflächen. Planen Sie dafür die nötige Zeit und Sorgfalt ein!
Bevor es an die eigentliche Bodenbearbeitung geht, sollte die bestehende Vegetation so tief wie möglich gemäht werden. Ist die Vegetation höher als 30 cm sollte das Mahdgut beräumt werden, wenn nicht kann es auf der Fläche verbleiben.
Im Anschluss wird die Grasnarbe intensiv gestört. Dies kann durch Fräsen oder Umgraben erfolgen. Die Bodenbearbeitung sollte nicht tiefer als 10 cm erfolgen, um die Bodenstruktur nicht zu zerstören.


Nach dem ersten Fräsgang wird die Fläche 3-4 Wochen liegen gelassen. In dieser Zeit wird sich der Boden wieder absetzen, Wurzelteile abtrocknen und die in der Bodensamenbank vorhandenen Arten keimen. Nach der Ruhephase können ein oder zwei weitere Bodenbearbeitungsgänge mit einem Abstand von etwa vier Wochen durchgeführt werden.
Es kann erforderlich sein, Wurzelunkräuter wie Quecke, Distel, Brennnessel und Winde manuell zu entfernen, da diese den Erfolg und die Optik beeinträchtigen. Sollte aufgrund der Größe der Fläche das nicht realisierbar sein, kann alternativ auch ein vierter Bodenvorbereitungsgang (Fräsen) erfolgen.


Das Ziel der Bodenbearbeitung ist die Schaffung eines feinkrümeligen Saatbetts, das den Samen optimalen Bodenschluss bietet.
In Sachsen-Anhalt empfehlen wir eine Herbsteinsaat, wofür die Bodenbearbeitung ab Juni beginnen sollte. Alternativ kann auch eine Frühjahrseinsaat erfolgen, wobei es günstig ist, mit der ersten Bodenbearbeitung vor dem Winter zu beginnen, um von der Frostwirkung auf Wurzelreste zu profitieren.
Schauen Sie sich unser ergänzendes Video an, das die wichtigsten Schritte zur Bodenvorbereitung anschaulich darstellt.
Die Wildpflanzen aussäen
Die Samen der Wildpflanzen werden nur oberflächlich auf die vorbereitete Fläche aufgebracht. Sie dürfen nicht in den Boden eingearbeitet oder mit Erde bedeckt werden, da viele Wildpflanzenarten sogenannte Lichtkeimer sind. Diese benötigen direktes Sonnenlicht, um den Keimprozess zu starten.


Für 1 m² werden etwa 2 g Saatgut benötigt. Um eine gleichmäßige Verteilung der Samen auf der Fläche zu erreichen, wird das Saatgut mit einem Füllstoff wie Maisschrot oder Maisspindelgranulat auf 20 g/m² gemischt. Nach zwei Jahren verringert sich die Keimfähigkeit des Saatgutes.
Für weiterführende Informationen zur Erstellung von Saatgutmischungen und worauf es dabei ankommt, verweisen wir auf Einsaat mit der richtigen Mischung: Optimale Grundlagen schaffen. Hier finden Sie umfassende Hinweise und Empfehlungen zur Auswahl und Handhabung von Saatgut und -mischungen für naturnahe Blühflächen.
Anwalzen: Bodenschluss schaffen
Nach dem Aussäen wird das Saatgut angedrückt. Dies kann mithilfe einer herkömmlichen Walze erfolgen. Auf kleinen Flächen kann es auch angetreten oder mit einem Brett angedrückt werden. Es ist wichtig, dass der Boden trocken ist, da die Samen andernfalls an der Walze haften bleiben könnten.
Das Andrücken des Saatguts hat zwei wesentliche Funktionen: Es verhindert, dass das Saatgut durch Wind oder Regen von der Fläche weggeweht oder weggespült wird. Außerdem wird somit Bodenschluss geschaffen, welchen die Samen brauchen, um keimen zu können.

Auf die richtige Pflege kommt es an!
Wie Sie Ihre Fläche richtig pflegen, finden Sie unter Grünflächen pflegen: langfristige Erfolge sicherstellen.