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Einsaat mit der richtigen Mischung: Optimale Grundlagen schaffen

Inhaltsverzeichnis
  1. Einsaat mit der richtigen Mischung: Optimale Grundlagen schaffen
  2. Der rechtliche Rahmen für das Ausbringen von Saat- und Pflanzgut
  3. Was ist gebietseigen?
  4. Zertifikate für Regiosaatgut
  5. Die Mischung – Standard, Vertrauen oder selber zusammenstellen?
  6. Was braucht man noch? – Füllstoff, Schnellbegrüner und Pflege
  7. Einzelarten
  8. Individuelle Saatmischungen

Das richtige Saatgut für naturnahe Grünflächen finden. Wir empfehlen regionale, wilde und langlebige Arten, angepasst an Boden und Klima.

Der rechtliche Rahmen für das Ausbringen von Saat- und Pflanzgut

Im Siedlungsbereich unterliegt das Ausbringen von Saat- und Pflanzgut keiner Beschränkung. Für die freie Landschaft ist das Bundesnaturschutzgesetz zu beachten: § 40 (1) untersagt die Verwendung gebietsfremder Pflanzen ohne Genehmigung. Diese ist in Sachsen-Anhalt bei der Oberen Naturschutzbehörde (Landesverwaltungsamt) einzuholen.

Was ist gebietseigen?

Wildpflanzen und deren Saatgut sind dann gebietseigen, wenn sie aus einer der 22 Ursprungsgebiete Deutschlands stammen und auch nur dort wieder ausgebracht werden. Die gängigen Begriffe dafür sind Regiosaatgut und Regiopflanzgut. Statt des Begriffes gebietseigen werden zudem die Begriffe gebietsheimisch und regional recht häufig synonym verwendet.

Die räumliche Abgrenzung der Ursprungsgebiete ist fachlich anerkannt und kann beim Kartendienst des Bundesamtes für Naturschutz eingesehen werden (Link). Aktuelle Forschung zur innerartlichen genetischen Vielfalt zeigte jedoch bereits für einige Arten, dass die Anzahl der Ursprungsgebiete reduziert werden könnte. Darauf basierende Empfehlungen für die Regiosaatgut-Praxis finden sich in Durka et al. (2024).

Umfassende Informationen bieten die folgenden Leitfäden:

Zertifikate für Regiosaatgut

In Deutschland existieren zwei Zertifikate:

Fordern Sie diese Zertifikate für das Saatgut, wenn Sie Begrünungsmaßnahmen ausschreiben. Lassen Sie sich den Lieferschein vorlegen und prüfen Sie diesen im Zweifelsfall direkt beim Lieferanten.

Die Mischung – Standard, Vertrauen oder selber zusammenstellen?

Einige Produzenten von Wildpflanzensaatgut bieten neben Einzelarten in ihren Katalogen bzw. auf ihren Webseiten bereits zusammengestellte Mischungen an. Und viele stellen Ihnen für Ihren Standort eine individuelle Mischung zusammen. Sie können aber auch selbst aktiv werden und eine eigene Mischung kreieren.

Wenn Sie auf eine Mischung aus dem Katalog zurückgreifen, haben Sie wenig Aufwand. Sie müssen jedoch beachten, dass nicht alle Mischungen für alle Ursprungsgebiete verfügbar sind. Der Vorteil individueller Mischungen ist, dass diese besonders gut an den Standort angepasst sind, das Gräser-Kräuter-Verhältnis gesteuert und die Artenzusammensetzung beispielsweise gezielt auf Insektenartengruppen ausgerichtet werden kann.

Wollen Sie auf eine Katalogmischung zurückgreifen, stellen Sie sich zuvor die folgenden Fragen:

  • Welche Standorteigenschaften liegen vor? Schätzen Sie dafür die Lichtverfügbarkeit, das vorliegende Substrat und dessen Nährstoffgehalt ein.
  • Welche Zielvegetation wird angestrebt – soll diese hoch- oder niedrigwüchsig sein?
  • Welche Lebensdauer soll die Zielvegetation haben – kurzlebig oder ausdauernd?
  • Welches Gräser-Kräuter(Blumen)-Verhältnis wird angestrebt?

Was braucht man noch? – Füllstoff, Schnellbegrüner und Pflege

Um die gleichmäßige Verteilung des Saatgutes zu gewährleisten, sollte das Saatgut mit Füllstoff aufgemischt werden. Bei der Handsaat auf 20 g/m², bei der Maschinensaat ist das Aufmischen auf 10 g/m² ausreichend.

Als Füllstoff können Maisschrot oder Maisspindelgranulat verwendet werden. Alternativ funktioniert auch Sägemehl, trockener Sand und bei kleinen Mengen auch Grieß. Saatgut und Füllstoff können gemischt bestellt oder auch erst vor Ort gemischt werden.

Saatgut in den Händen
N. Adert
Aufgerieselte Samen
N. Adert

Wird zu einem ungünstigen Zeitpunkt angesät, kann zur Unterstützung des Auflauferfolges ein Schnellbegrüner (sogenannte Ammenarten) eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um einjährige Kulturarten, die schnell eine schützende Vegetationsdecke bilden, Austrocknung verhindern und Erosion vorbeugen. Die Saatstärke sollte 2 g/m² betragen. Zum Einsatz kommen kann bspw. die Roggen-Trespe (Bromus secalinus) oder eine Kombination aus Buchweizen (Fagopyrum esculentum), Garten-Kresse (Lepidium sativum) und Leindotter (Camelina ssp.).

Nach 6–10 Wochen muss ein Pflegeschnitt (Abschlegeln in 15–20 cm) erfolgen. Das Schnittgut kann in der Regel auf der Fläche verbleiben. Weiterführende Informationen und zahlreiche Hinweise finden Sie unter Grünflächen pflegen: langfristige Erfolge sicherstellen.

Einzelarten

Mittlerweile wird ein sehr breites Artenspektrum vermehrt. Allerdings sind nicht alle Regionen gleich gut abgedeckt! Auskunft darüber geben der Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten und der Bundesverband deutscher Pflanzenzüchter.

Die Preise der einzelnen Arten unterscheiden sich teilweise sehr stark und hängen vor allem vom Aufwand bei der Vermehrung ab. Aber: Die benötigte Menge pro Art in einer Mischung schwankt ebenfalls stark.

Individuelle Saatmischungen

    • Ziel der Begrünung und Nachnutzung (z. B. Böschungssicherung, Erholungsnutzung, Naturschutzaspekte, Aufwertung des Stadt- oder Landschaftsbildes)
    • Standortverhältnisse der zu begrünenden Fläche und die daraus abgeleitete Zielvegetation
    • Vorkommen der Arten im Gebiet
    • Verfügbarkeit des Saatgutes aus dem Ursprungsgebiet
    • Kombination verschiedener Durchwurzelungstypen, Wuchshöhen, Lebensrhythmen, Blühphasen, Blühfarben und Blütenformen
    • Vorsicht bei konkurrenzstarken Arten (z. B. Bunte Kronwicke, Rotklee, Wilde Karde und Spitzwegerich)
    • Mischungen sollten immer möglichst artenreich sein: 25–60 Arten, darunter maximal 5–6 konkurrenzschwache Gräser und 25–60 Kräuter.
    • Artenreiche Mischungen sichern den Entwicklungserfolg und minimieren Etablierungsrisiken.
    • Unterschiedliche Wurzelsysteme führen zu einer guten Bodendurchwurzelung (Humusaufbau) und bieten einen besseren Erosionsschutz.
    • Achten Sie auf ein breites Nektar- und Pollenangebot über die gesamte Vegetationszeit und ein Angebot für möglichst viele Insektenarten.
    • Integrieren Sie in die Saatmischung Hingucker für das 1. Jahr (z. B. Kornblume, Färber-Hundskamille, Feld-Rittersporn oder Klatsch-Mohn). Beachten Sie, dass diese nicht mahdverträglichen, einjährigen Arten nach 2–3 Jahren verschwinden werden.
    • Beachten Sie bei der Saatstärke für die Einzelarten artspezifische Vermehrungskoeffizienten (Wie viele Samen sind für die Etablierung einer bestimmten Anzahl an Pflanzen unter den jeweiligen Standortbedingungen erforderlich?)
    • Bei der Aufwertung von artenarmem, oft grasreichem Grünland durch Bodenstörung und Ansaat sollten ca. 1.500–2.000 Samen/m² eingebracht werde. Das entspricht ca. 1,5 bis 2 g Saatgut/m².
    • Auf zuvor vegetationslosen Flächen mit sehr gut vorbereitetem Saatbett sind schon ca. 600–800 Samen/m² (0,4–0,7 g/m²) ausreichend.
    • Lassen Sie sich nicht verunsichern, diese niedrigen Saatstärken sind für Wildpflanzen ausreichend.
    • Unsere Praxisbeispiele: Sie finden alle für unsere Demonstrationsflächen verwendeten Mischungen auf der Lernplattform.
  • Der Artenfilter ist Hilfsmittel, um Pflanzenarten zu ermitteln, die in einem Ursprungsgebiet pauschal in Wildpflanzensaatmischungen eingesetzt werden können. Gibt der Artenfilter Ausschlussgründe an, sollten Sie die Verwendung in einer Mischung prüfen und abwägen.

  • Aus natürlichen Pflanzengemeinschaften lässt sich ableiten welche Arten ähnliche Standorte bevorzugen. Florenwerke enthalten in Form von Büchern oder Webangeboten wertvolle Informationen zur räumlichen Verbreitung und den Standortansprüchen. Und verschiedene Quellen geben Auskunft zur Attraktivität für Insekten. Bei der Zusammenstellung individueller Saatmischungen können Sie beispielsweise die folgenden Hilfsmittel verwenden: